Protokoll vom 6. Herbsttreffen am 23.-25.09.2005 in Nümbrecht.
Zur Tagung:
Das Treffen wurde von Dr. Heike Kappes und Frank Herhaus ausgerichtet.
Am Freitagabend traf sich eine kleine Runde im gemütlichen
„Pfannkuchenhaus“ zum Abendessen und zum Erfahrungsaustausch.
Das eigentliche Treffen fand am Samstag in einem Tagungsraum der
Sparkasse in Nümbrecht statt. Hier wurden am Samstagvormittag
Vorträge gehalten, die Sprecherwahlen durchgeführt und
einige Schnecken nachbestimmt. Am Nachmittag wurden verschiedene
Exkursionsziele besucht. Am Sonntag wurde von fünf Mitarbeiter/Innen
im Rahmen der Rasterkartierung ein weitere Topographische Karte
1:25.000 über 50 Molluskenarten „gebracht“.
Teilnehmer/Innen:
Am Arbeitstreffen haben folgende Mitarbeiter/Innen teilgenommen:
Dr. Eckhard Schröder (Bonn), Dr. Gero Karthaus (Landschaftsverband
Rheinland - Köln), Dr. Hartwig Schütt mit Ehefrau (Düsseldorf),
Dr. Heike Kappes (Köln), Frank Herhaus (Biologische Station
Oberberg e.V. - Nümbrecht), Hajo Kobialka (Höxter), Hans-Jürgen
Reichling (Iserlohn), Henning Schwer (Bielefeld), Karl-Heinz Beckmann
(Ascheberg-Herbern), Kirsten Osthoff (Bergisches Freilichtmuseum
- Lindlar), Klaus Korn (Sundern), Dr. Martin Hecken (Bochum), Ralf
Hanneforth (Schwerte) und Rolf Kirch (Höxter).
Folgende Mitarbeiter/Innen haben sich entschuldigt und
allen Teilnehmern ein erfolgreiches Treffen gewünscht:
Armin Deutsch (Bielefeld), Dr. Andrea Tappert (Edenkoben), Dr. Carsten
Morkel (Beverungen), Dr. Heinrich Terlutter (Münster), Dr.
Johannes Meßer (Duisburg), Dr. Klaus Stroscher (Lüdinghausen),
Eckhard Möller (Herford), Esther Boekee (Münster), Frank
Commerell (Bonn), Joseph Boscheinen (Düsseldorf), Karl-Heinz
Teichler (Kreiensen), Katja Simon (Krefeld), Klaus Groh (Hackenheim),
Michael Hölling (Dortmund) und Waltraud Schnell (Kerpen-Buir).
Folgende Vorträge wurden gehalten:
Frank Herhaus: Natur im Bergischen Land – über
die Arbeit der Biologischen Station Oberberg
Heike Kappes: Umwelt und Mollusken im Bergischen Land
Hajo Kobialka: Zum Stand der laufenden Arbeiten des Arbeitskreises
zur Kartierung und zum Schutz der Mollusken in NRW
Karl-Heinz Beckmann: Methodenvergleich beim Sammeln von Schnecken
Ralf Hanneforth: Was wissen wir über Lucilla scintilla?
Klaus Korn: Bemühungen zum Schutze der Mollusken im Hochsauerlandkreis
Sachstandsbericht:
Kooperationsvereinbarung mit der LÖBF (Landesanstalt
für Ökologie, Bodenordnung und Forsten)
Im letzten Jahr auf unserem Treffen nahm einen großen Raum
in der Diskussion die zukünftige Kooperation mit der LÖBF
in Anspruch. Alle damaligen Anregungen wurden von Hajo Kobialka
in den Entwurf eingearbeitet und wurden im Laufe der weiteren Verhandlung
weitgehend von der LÖBF angenommen. Der unterzeichnete Vertrag
lag allen Anwesenden der diesjährigen Tagung zur Einsichtnahme
aus.
Zwei Details der Vereinbarung sollen hier erwähnt werden:
- Die LÖBF stellt allen AK-MOL-NRW-Mitarbeiter/Innen einen
gedruckten Kartenatlas NRW für ihren Naturraum leihweise
zur Verfügung.
- Die LÖBF stellt einmal im Jahr „neue“ Grauliteratur
dem AK-MOL-NRW (z.b. unveröffentlichte Berichte und Gutachten
z.B. der Biologischen Stationen, die molluskenkundliche Daten
beinhalten, in Kopie zur Verfügung, soweit sie nach dem Umweltinformationsgesetz
bereits freigegeben sind).
Über den Fortschritt der Kartierungsarbeiten:
Hajo Kobialka berichtete über den Fortschritt der Kartierungsarbeiten.
Die Datenbank umfaßt mittlerweile 75.579 Datensätze (Stand
18.09.2005) aus Nordrhein-Westfalen. Ein Datensatz ist eine Artbeobachtung
von einem Fundort an einem Datum. Mit den Beobachtungen aus den
direkt angrenzenden Bundesländern umfasst die Datenbank 81.780
(Stand 18.09.2005) Datensätze. Im Jahr 2006 wurden bisher 6.444
Einzelbeobachtungen gemeldet und in die Datenbank eingegeben. Im
Bundesländervergleich (bisher veröffentlichte, vorläufige
Atlanten und aktuelle Kartierprojekte) stehen wir mit der Datenmenge
auf Platz 2. Hinsichtlich der Datenmenge im Vergleich zur Bundeslandgröße
stehen wir auf Platz 3. Inzwischen wurden 8811 Meldebögen in
die Datenbank „eingegeben“ [Stand beim letzten Treffen
am 11.09.2004 (8052 Meldebögen)].
Obwohl die Verteilung der Funddaten über die Fläche in
Nordrhein-Westfalens noch sehr ungleichmäßig verteilt
ist und für viele vorkommende Arten noch nicht ausreichend
ist, um ein hinreichend scharfes Bild ihrer Verbreitung zu zeichnen,
ermöglicht der Erfassungsgrad der einzelnen Molluskenarten,
zumindest einen Vergleich der Vorkommen in den verschiedenen Naturräumen
in Abhängigkeit zum Erfassungsgrad. Für „viele“
(bei weiten nicht alle) Molluskenarten kann bereits ein deutliches
Verbreitungsbild dargestellt werden!
Das Ziel über 50 Arten für alle Topographischen Karten
1:25.000 (TK’s) nachzuweisen sollte im Jahr 2005 erreicht
werden, da die Veröffentlichung des vorläufigen Verbreitungsatlas
auf der Ebene des Rasters der TK’s für 2006 geplant ist.
Dieses Ziel wurde leider im Jahr 2005 bisher noch nicht vollständig
erreicht, allerdings konnten 74 weitere TK’s über 50
Arten „gebracht“ werden!!! Insgesamt wurden bisher die
Gebiete von 338 TK’s untersucht. Es stehen noch weitere Untersuchungen
in den Gebieten von 65 TK’s an. Da es sich aber abzeichnet,
das viele Mitarbeiter lange Anfahrtswege nicht auf sich nehmen können
– wird diese Aufgabe wohl an wenigen im Jahr 2006 „hängen
bleiben“. Ich möchte also an unserer zweites Ziel erinnern
über 30 Arten pro Quadranten nachzuweisen. Eine zweite Veröffentlichung
auf der Ebene der Quadranten ist für ca. 2012 geplant, insofern
wir das Ziel über 30 Arten pro Quadrant erreicht haben. Hier
haben wir also alle direkt vor unserer Haustür noch viel zu
kartieren (Datenbankauszüge der bisher beobachteten Arten können
bei mir jederzeit angefordert werden). Dieses Ziel zu erreichen
wird nur möglich sein, wenn wir alle kontinuierlich weiter
Kartieren gehen!
Das Manuskript zum ersten vorläufigen Verbreitungsatlas Schnecken
und Muscheln in NRW auf der Ebene der TK’s soll bis Juni 2006
fertig sein. Es können also bis mindestens bis April 2006 alle
Beobachtungsdaten in den Atlas einfließen – möglicherweise
je nach Verhandlungen mit dem Herausgeber (die Landesanstalt für
Ökologie, Bodenordnung und Forsten hat sich hierzu bereit erklärt
– Voraussetzung sie hat hierzu die entsprechenden Haushaltsmittel)
können auch noch spätere/weitere Beobachtungsdaten in
den Atlas einfließen (hierüber wird ggf. zeitnah berichtet).
Ich bitte Eure Daten der letzten Jahre (sofern noch nicht gemeldet)
und Eure aktuellen Beobachtungen möglichst umgehend an mich
zu melden – damit Sie in den Atlas einfließen können!
Sprecherwahlen:
Durch die zunehmende Popularität der Schnecken und
Muscheln, vornehmlich durch die Aktion „Weichtier des Jahres“
hervorgerufen, nehmen seit zwei Jahren die Informationsanfragen
an unseren Arbeitskreis enorm zu. Neben Anfragen aus der Bevölkerung
melden sich auch verstärkt die Presse, der Rundfunk und das
Fernsehen. Um mehr Kontaktadressen anbieten zu können wurde
vorgeschlagen zukünftig zwei 2. Sprecher/Innen zu wählen.
Dieser Vorschlag wurde einstimmig angenommen. Bei zwei Enthaltungen
wurden mit neun Stimmen Hajo Kobialka (Höxter) als 1. Sprecher,
Joseph Boscheinen (Düsseldorf) als 2. Sprecher, Karl-Heinz
Beckmann (Ascheberg- Herbern) als Bibliothekar des Arbeitskreises
in ihrem Amt bestätigt und Dr. Heike Kappes (Köln) als
2. Sprecherin neu in den Vorstand berufen.
Ausstellung Mollusken mit Rahmenprogramm:
Dr. Gero Karthaus vom Landschaftsverband Rheinland –
Köln berichtete über das Vorhaben seiner Intuition eine
Ausstellung Mollusken mit Rahmenprogramm im Bergischen Land erstellen
zu lassen und fragte beim Arbeitskreis um Unterstützung an.
Kirsten Osthoff vom Bergischen Freilichtmuseum berichtete als Museumspädagogin
über Zielsetzung und Zeitplan dieses Vorhabens. Der Arbeitskreis
begrüßte das Vorhaben sehr und regte an, die Ausstellung
so zu konzipieren, dass sie später als Wanderausstellung für
ganz Nordhein-Westfalen dienen sollte. Der Arbeitskreis sagte seine
Unterstützung im Rahmen seiner zeitlichen Möglichkeiten
zu. Ein Entwurf zur Ausstellung wird dem Arbeitskreis Ende Oktober
zugesandt und das weitere Vorgehen dann besprochen.
Zukünftige Treffen:
Die Erfahrungen der letzten Treffen haben gezeigt, dass
viele Mitarbeiter/Innen im Herbst oft nicht kommen können und
viele Teilnehmer/Innen sich meistens nur einen Tag - oft aus familiären
Gründen - Zeit nehmen können. Dieses Treffen überschnitt
sich terminlich mit zahlreichen Geburtstagsfeiern und einigen anderen
Fachtagungen. Daneben fand zwei Wochen zuvor ein Bestimmungskurs
Mollusken am Heiligen Meer statt, der vom Arbeitskreis betreut wurde.
Dieser Kurs war mit 21 Teilnehmer/Innen sehr gut besucht, darunter
8 Mitarbeiter/Innen des Arbeitskreises. Da einigen Interessierten
abgesagt werden musste, da der Kurs voll belegt war, ist beabsichtigt
den Kurs im September 2006 erneut anzubieten. Dieser Kurs soll auch
nächstes Jahr wiederum dazu dienen den Mitarbeiter/Innen vom
Arbeitskreises ein weiteres Angebot zur Fortbildung anzubieten.
Aus all diesen Gründen wurde beschlossen nächstes Jahr
und in zukünftigen Jahren nur noch ein eintägiges Treffen,
im Frühjahr nach den Osterferien, an einem Ort, der für
alle gut erreichbar ist, zu veranstalten. Das nächste Treffen
soll im April oder Mai 2006 bei Karl-Heinz Beckmann in Ascheberg-Herben
stattfinden. Der genaue Termin wird in einem, weiteren Rundmail
(wer kein E-Mail hat - im nächsten Rundbrief) und auch auf
unserer Homepage (www.mollusken-nrw.de) bekannt gegeben.
Ergebnisse der Exkursionen:
Im Rahmen des Nachmittagprogramms wurden am Samstag drei
Exkursionsziele angefahren:
(1) NSG im Bröltal nördlich Schloss Homburg bei Nümbrecht,
Bruchwald
(2) Kalklinsen-Aufschluss im unteren Kaltenbachtal vor der Autobahn
A4, nördlich Kaltenbach
(3a) Weinberg bei Ründerodt, steiler südexponierter Kalkfelshang
mit Blockschutthalde und Totholz, direkt an die Agger grenzend
(3b) Aggerufer am Schwimmbad-Parkplatz bei Ründerodt, Nitrophyten-Saum
am Steilufer.
An Fundstelle 1 gelangen u.a. Nachweise von Vertigo antivertigo
und Euconulus praticola; Vertigo antivertigo bislang
nur im Bergischen Land von der Agger bekannte Art dringt offenbar
weit in die Täler ein. In quelligen Bereichen bzw. in Quellen
(1 bzw. 3a) fand sich die auf die Mittelgebirge beschränkte
Bythinella dunkeri. Besonders erwähnenswert ist das
lokale Auftreten von Isognomostoma isognomostomos (Fundstellen
2 und 3a), die bislang nicht für das Bergische Land (Rheinisch-Bergischer
Kreis und Oberbergischer Kreis) nachgewiesen wurde.
Bei der Exkursion am Sonntag wurden u.a. Vertigo pusilla,
Vallonia suevica (Erstnachweis für NRW!!!), Balea
perversa und Daudebardia rufa am Schloss Homburg nördlich
Nümbrecht nachgewiesen. All diese Arten sind für NRW als
selten bis sehr selten zu bezeichnen!
Die Schwäbische Grasschnecke ist ihren Beständen in ihrem
Verbreitungsgebiet in Bayern und Baden-Württemberg höchst
rückläufig (Sie ist bundesweit und in diesen beiden Bundesländern
Vom Aussterben bedroht). Wir bitten alle Malakologen/Innen aus Gründen
des Artenschutzes keine weiteren Untersuchungen an Vallonia suevica
in Nümbrecht vorzunehmen. Wir bitten auch die Biologische Station
Oberberg e.V. die Verantwortlichen vor Ort über diese Besonderheit
zu informieren. Neben einer Darstellung dieser Besonderheit auf
der Infotafel des Schlosses sollte am Fundort weder gespritzt noch
Umgestaltungen der Bepflanzungen oder Mauersanierungen vorgenommen
werden. Auch die Pflege der Anlage sollte auf die Ansprüche
dieser Art abgestimmt werden (z.B. kein Moos entfernen).
Ebenfalls konnte das Ziel, im TK 4912 Drolshagen (nordöstlich
des TK Wiehl) mehr als 50 Arten nachzuweisen, erreicht werden. Hierbei
erwiesen sich in anderen Naturräumen reichhaltig besetzte Strukturen
wie aufgelassene Steinbrüche (hier allerdings Grauwacke) als
unergiebig. Im Bergischen Land -und auch im Sauerland- bieten größere
Täler für Schnecken offenbar bessere Lebensbedingungen
als Kuppen und Hänge.
Höxter und Köln, den 29.09.2005
Von Hajo Kobialka und Heike Kappes
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