| Das "Sitzungsprogramm"
war ausgesprochen bunt und umfaßte folgende Beiträge: |
| 1. |
Hajo Kobialka berichtete über den
Fortschritt der Kartierungsarbeiten. Die Datenbank umfaßt
mittlerweile 70.275 Datensätze. Inzwischen wurden
8052 Meldebögen „eingegeben“! Obwohl
die Verteilung der Funddaten über die Fläche
in Nordrhein-Westfalens (noch) höchst ungleichmäßig
verteilt ist und für viele vorkommende Arten noch
nicht ausreichend ist, um ein hinreichend scharfes Bild
ihrer Verbreitung zu zeichnen, konnte doch in der vergangenen
Kartierungs-Saison erreicht werden, fast flächendeckend
mindestens dreißig Arten pro Topographische Karte
nachzuweisen. Das Ziel über 50 Arten pro Topographische
Karte nachzuweisen soll im Jahr 2005 erreicht werden,
da die Veröffentlichung des vorläufigen Verbreitungsatlas
auf der Ebene des Rasters der Topographischen Karten 1:25.000
für 2006 geplant ist. Eine zweite Veröffentlichung
auf der Ebene der Quadranten ist für ca. 2012 geplant,
insofern wir das Ziel über 30 Arten pro Quadrant
erreicht haben. Wir haben also für die nächsten
8 Jahre noch jedes Wochenende was zu tun. Er betonte nochmals,
das jeder der Daten meldet auch einen Zugriff auf die
Daten unserer Datenbank hat und jederzeit entsprechende
Auszüge anfordern kann. |
| 2. |
Heike Kappes referierte über die Verbreitung
von Malacolimax tenellus (O. F. MÜLLER 1774)
in NRW. Untersucht wurden unterschiedlich stark vom Menschen
beeinflußte Wälder in verschiedener Höhenlage.
Malacolimax tenellus bevorzugt dabei naturnahe
Bestände mit hohem Totholzvorrat. Außerdem
gewinnt die Art mit zunehmender Meereshöhe an Dominanz
in den jeweiligen Nacktschnecken-Gesellschaften und scheint
erfreulicher Weise generell nicht so selten zu sein, wie
bisher angenommen, Die Einstufung in der Kategorie 3 in
der aktuellen Roten Liste NRW könnte also überdacht
werden. |
| 3. |
Karl-Heinz Bechmann berichtete über
Erstnachweis von Zonitoides excavatus (ALDER
1830) in Nordrhein-Westfalen und die eigentümliche
europäisch-atlantische Verbreitung dieser Art von
Portugal über Nordspanien, Teile Frankreichs, die
Britischen Inseln, Belgien und die Niederlande bis nach
Nordwestdeutschland. Mittlerweile konnten vier Fundpunkte
für diese Art in NRW in der Grenzregion zu Niedersachsen
festgestellt werden! |
| 4. |
Henning Schwer hielt einen Vortrag über
Typen von regionalen Verbreitungsmustern unter den Landmollusken
in Nordrhein-Westfalen. Hier zeigt sich, das die regionalen
Areale der verschiedenen Arten sich gut zu Gruppen mit
ähnlicher Gestalt sortieren lassen und das sich zwischen
diesen Gruppen und den Arealen dieser Arten im europäischen
Maßstab Zusammenhänge feststellen lassen. |
| 5. |
Michael Hölling berichtete über
seine Teilname in den letzten drei Jahren an Veranstaltungen
zum Geo - Tag der Artenvielfalt. 2002 wurde in Bochum
das Gelände der Zeche Hannover untersucht (Veranstalter:
Uni Bochum), 2003 die Umgebung des Hofes Ramsbrock in
der Senne bei Friederichsdorf (Veranstalter: Biol. Station
Senne) und 2004 das Gelände der Zeche Hannover in
Herne (Veranstalter: BUND Herne). Die Sammlungsergebnisse
erbrachten zwar keine spektakulären Arten, sind aber
insofern von Interesse, da diese drei Standorte im klassischen
malakologischen "Suchbild" nicht vorkommen und
normalerweise wohl kaum besammelt würden. Mein Tip:
Im nächsten Jahr sollten sich die Arbeitskreismitglieder
überlegen, sich landesweit an ähnlichen Aktionen
zu beteiligen, es kämen mit Sicherheit etliche interessante
Daten zusammen, außerdem wäre es eine gute
Werbung für unser Anliegen im speziellen und die
Malakologie im Allgemeinen. Infos gibt es unter www.Geo.de.
|
| 6. |
Martin Hecken präsentierte einen
Fernsehbeitrag über Süßwassermuscheln
in dem er als Protagonist mitwirkte, der am 09.12.2003
im WDR in der Lokalzeit Ruhr gesendet wurde. |
| 7. |
7. Henning Schwer stellte die Strothe-Wiesen
bei Schlangen als einen neuen Fundort für die FFH-Art
Vertigo angustior (DRAPARNAUD 1801) vor. Diese
Art war in NRW aktuell bislang nur mit einem einzigen
Fundpunkt im Münsterland ganz in der Nähe unseres
Tagungsortes bekannt! |
| 8. |
Hajo Kobialka berichtete über Arion
fuscus/subfuscus. Innerhalb dieses Artkomplexes ist
seit langen eine sehr große Variabilität in
Bezug auf Körpergröße und Färbung/Zeichnung
bekannt. Alles was bisher unter dem Namen Arion subfuscus
benannt war, muss nach neueren Erkenntnissen in mindestens
zwei Arten unterschieden werden. Die überwiegend
aus NRW bekannten Tiere sind nach heutiger Auffassung
Arion fuscus (O. F. Müller 1774) zuzuordnen.
Arion fuscus ist – wie sich aktuell abzeichnet
– wohl flächendeckend in NRW vorkommend. Anatomisch
davon lässt sich überwiegend im Bergland von
NRW auch Arion subfuscus-Komplex abtrennen, nachdem
(PINCEEL et al. 2004: 23-38) uns dazu wichtige Hinweise
und Anleitungen (Bestimmung nach Gonade) gegeben haben.
Ob der Artname Arion subfuscus bestand haben
kann, ist im Moment noch weiter zu recherchieren. |
| 9. |
Henning Schwer nahm sich des Problems
des Vorkommens von Pupilla bigranata (ROSSMÄSSLER
1839) in NRW an, und legte dar, das durch die unklare
Erstbeschreibung dieses Taxons und seine konsequente Verwechselung
und Vermengung mit Pupilla muscorum (LINNAEUS
1758) und Pupilla triplicata (STUDER1820) im
nachfolgenden Schrifttum, es im Augenblick noch als unklar
gelten muß, was unter diesem Namen zu verstehen
ist und demnach natürlich auch die Frage nach der
Verbreitung offen bleiben muß. |
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Obwohl für den Nachmittag eine Exkursion geplant war, wurde
er für vielerlei fachliche Diskussionen und dem Erfahrungsaustausch
"geopfert", auch die Durchsicht von mitgebrachtem Sammlungsmaterial
und Nachbestimmungen nahmen einen großen Platz ein.
Hier sei nochmals angemerkt, das der Arbeitskreis nicht nur "fertigen"
Malakologen offen steht, sondern seine Aufgabe auch darin sieht,
Neueinsteigern Hilfestellung zu geben, die hiermit nochmals mit
allem Nachdruck aufgefordert werden, dieses Angebot auch wahr zu
nehmen!
Um Hajo Kobialka zu entlasten, übernehme ich ab jetzt die
Nachbestimmung von Landgehäuseschnecken für Arbeistkreis-Mitglieder,
hier noch mal meine Adresse:
Henning Schwer
Wittekindstr. 27
33615 Bielefeld
Tel.: 0521/56247824
henning.schwer@web.de
Päckchen bitte vorher telefonisch ankündigen!
Für Einsteiger und auch zum Vertiefen schon vorhandener Kenntnisse
ist übrigens geplant, in der Außenstelle des Westfälischen
Museum für Naturkunde am Heiligen Meer einen Bestimmungskurs
zu veranstalten. Interessenten sollten das Programm beachten (siehe
Einladung und www.heiliges-meer.de).
Was auch zur Sprache kam, war der große Anteil an "Schläfern"
unter den im Verteiler aufgeführten Leuten, deren Verwaltung
für Hajo erheblichen Aufwand bedeutet, ohne das ein entsprechender
Datenrückfluß stattfindet, es sei hier an seine Email
vom 01.09.2004 erinnert.
Hier muß sich etwas ändern. Zum einen seien alle nochmals
aufgefordert, vorhandene Daten zu melden und neue zu erheben, jeder
Fund ist interessant und füllt Kenntnislücken! Außerdem
sei nochmals darum gebeten, eventuell vorhandene Emailadressen an
Hajo Kobialka weiter zu leiten, damit der Informationsaustausch
möglichst vollständig, kostengünstig und zeitsparend
über das „Kabel“ abgewickelt werden kann. Weiterhin
wurde beschlossen, die Mitgliedschaft im Arbeitskreis nicht direkt
an die Anzahl der gemeldeten Datensätze zu koppeln, jede der
jetzt im Verteiler befindlichen Personen wird allerdings nachdrücklich
gebeten, zumindest einmal im Jahr unaufgefordert Rückmeldung
über das weiterhin bestehende Interesse an dem uns allseits
verbindenden Vorhabens zu geben. Geschieht dies nicht, wird sie
als Karteileiche betrachtet und aus dem Verteiler gestrichen.
Wir bitten um Verständnis.
Das nächste Treffen soll, um vermehrt "Einsteiger"
anzusprechen und wieder einige faunistische Lücken zu füllen,
wieder mehr im Freiland stattfinden und somit deutlichen Exkursionscharakter
haben. Als Tagungsort ist Nümbrecht geplant (siehe Einladung).
Großen Raum in der Diskussion nahm auch die zukünftige
Kooperation mit der LÖBF in Anspruch. Alle Anregungen wurden
von Hajo Kobialka in den Entwurf eingearbeitet und an die LÖBF
verschickt. Es wurde vereinbart, dass alle auf dem Treffen Anwesenden
am zweiten Entwurf über E-Mail mitarbeiten und später
darüber entscheiden.
Henning Schwer
Literatur
PINCEEL, J., K. JORDAENS, N. VAN HOUTTE, A. J. DE WINTER & T.
BACKELJAU (2004): Molecular and morphological data reveal cryptic
taxonomic diversity in the terrestrial slug complex Arion subfuscus/fuscus
(Mollusca, Pulmonata, Arinidae) in continental north-west Europe.
– Biological Journal of the Linnean Society, 83: 23-38. London.
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